Mit der „Bits & Pretzels“ holen drei Gründer die ganze Start-up-Szene nach München. Wie aus einem regionalen Netzwerk-Event eine internationale Gründer-Veranstaltung wurde.

Für Bernd Storm wurde der Standort seines Start-ups irgendwann zum operativen Problem. Als der Aboalarm-Gründer einen internationalen Entwickler anheuern wollte, sagte dieser mit der Begründung ab, das sei zwar ein cooles Projekt, aber er wolle lieber nach Berlin. München, der Standort von Storms Firma, habe ja gar keine Entwicklerszene.

Als ein Artikel im englischen Wirtschaftsmagazin „Economist“ über die deutsche Start-up-Szene ebenfalls nur Berlin und Hamburg als Standorte beleuchtete, kam Storm ins Grübeln. Gemeinsam mit Onpage-Gründer Andreas Bruckschlögl überlegte er, wie man „ein Scheinwerferlicht“ auf die Start-ups der bayerischen Hauptstadt werfen könnte. „Wir wollten etwas nehmen, was jeder sofort versteht, was jeder sofort mit München verbindet“, erklärt Bruckschlögl im Gespräch mit WirtschaftsWoche Gründer.

Vom „Weißwurstfrühstück“ zum internationalen Event

So entstand 2013 das „Weißwurstfrühstück“, ein Treffen für die Münchner Start-up-Szene. Kam die erste Veranstaltung noch auf 40 Gäste, waren es beim vierten Treffen schon 300 Gründer und Investoren. Aus dem kleinen Netzwerk-Event entstand im September 2014 die „Bits & Pretzels“, eine Art Gründerkonferenz im Rahmen des Oktoberfests.

Am Sonntag geht das inzwischen zum Festival ausgebaute Event in die dritte Runde. Drei Tage lang tauschen sich deutsche und internationale Gründer, Investoren und Politiker in München aus. Die „Bits & Pretzels“-Macher rechnen mit rund 3500 Gästen – mehr als doppelt so vielen wie im Vorjahr. Mit dabei sind prominente deutsche Namen wie GoButler-Investor Joko Winterscheidt oder Delivery-Hero-Chef Niklas Östberg, aber auch internationale Größten wie Evernote-Mitgründer Phil Libin oder Zendesk-Chef Mikkel Svane.

Eine reine Münchner Veranstaltung ist die „Bits & Pretzels“ damit längst nicht mehr – auch wenn die Organisatoren einen bayerischen Fokus beizubehalten versuchen. Am zweiten Tag dürfen sich Münchner Start-ups wie E-Gym, Navvis und Magazino unter dem Motto „High Tech Made in Bavaria“ präsentieren. Die Münchner Start-up-Szene weiß das offenbar zu schätzen. Erst kürzlich kam ein Risikokapitalgeber auf Bernd Storm zu und sagte: „Endlich treffe ich die Münchner wieder in München und nicht in Berlin.“