Statt in den Abfall wandern aussortierte Produkte in die Hände von Start-ups und erwachen dort zu neuem Leben. Ein Trend, der bei den Kunden ankommt.

Mehr als 20 Jahre lang haben sie treu ihren Dienst verrichtet. Kilometer um Kilometer hinter sich gebracht, schwer getragen – Säfte, Duty-Free-Produkte und Tabletts – und nun werden sie in Rente geschickt. Und das nur, weil sie zu schwer sind. Ein Glück für Marcus Schäfer, 41, und Adnan Bikliqi, 42. Als die Lufthansa beschloss, ihre alten, knapp 19 Kilogramm wiegenden Servierwagen gegen neue, rund sechs Kilo leichtere Modelle zu tauschen, schlug ihre Stunde.

Die beiden Gründer, die sich noch aus Schulzeiten kennen, erfuhren im Mai vergangenen Jahres von der Ausmusterung der Trolleys. „Mir war sofort klar, dass man daraus etwas machen kann“, sagt Marcus Schäfer. Er wendet sich an seinen Jugendfreund Adnan Bikliqi, der bereits Erfahrung im E-Commerce-Bereich hat, und gemeinsam entwickeln sie die Idee zu ihrem Start-up Airbar: Die alten Trolleys sollen in einer neuen Umgebung groß rauskommen – als Bar im Wohnzimmer, als Kosmetikschränckchen im Bad, als Aktenschrank im Büro.

Das Grundkonzept steht und die Lufthansa ist bereit, die Trolleys an das Start-up zu verkaufen. Nun muss nur noch das passende Design her. Sie wenden sich an das Management von Designer und Vox-Moderator Guido Maria Kretschmer, der, so Schäfer, gleich begeistert von der Idee war. Ihm gefällt die Tatsache, einem eigentlich ausgemusterten Gegenstand wieder Leben einzuhauchen – in einem schicken neuen Gewand versteht sich. Upcycling nennt sich dieser Vorgang. Der Trend aus Altem Neues zu machen, statt es wie sonst üblich zu entsorgen, ist in Deutschland seit einigen Jahren sehr beliebt.